Gewässerüberwachung per LoRaWAN
Fertige Funksensoren, jahrelange Batterielaufzeit und ein offenes Netz namens The Things Network
Nach unseren ESP32-Bastelbojen kommt der einfache Weg: fertige LoRaWAN-Sensoren wie der Dragino LHT65. Einschalten, ins kostenlose The Things Network einbuchen, fertig. Kilometerweite Funkreichweite, jahrelange Batterielaufzeit, kein Bastelaufwand. So kann jeder Fischereiverein in die digitale Gewässerüberwachung einsteigen.
Vor einigen Wochen haben wir hier unser Sensornetz aus selbstgebauten ESP32-Bojen vorgestellt: ein Projekt für Tüftler, Bastler und alle, die gern den Lötkolben in die Hand nehmen. Die Resonanz war groß, und eine Frage kam besonders oft: „Schöne Sache, aber muss man dafür wirklich selbst löten?“
Die gute Nachricht: nein. Es geht inzwischen auch ganz ohne Bastelei. Man kauft für einen schmalen Taler einen fertigen Funksensor, schaltet ihn ein, bucht ihn in ein kostenloses, offenes Funknetz ein, und schon fließen die Messwerte. In diesem Beitrag erklären wir, wie das funktioniert, und warum gerade Fischereivereine das einmal ausprobieren sollten.
Kurz gesagt
Kein Löten, keine SIM-Karte, kein Vertrag. Ein fertiger LoRaWAN-Sensor, ein offenes Funknetz namens The Things Network und Batterielaufzeiten von mehreren Jahren. Einsteigen kann jeder Verein.
Was ist eigentlich „IoT“?
IoT steht für Internet of Things, das „Internet der Dinge“. Gemeint sind kleine, günstige Geräte, die etwas in der echten Welt messen und ihre Werte selbstständig irgendwohin schicken. Kein Bildschirm, keine Bedienung: das Gerät macht im Hintergrund seine Arbeit.
Für uns heißt das konkret: ein kleiner Kasten am Steg misst die Wassertemperatur, und alle paar Minuten landet der Wert automatisch im Petri-Heil!-Dashboard. Niemand muss rausfahren, ablesen oder ins Klemmbrett notieren. Genau das ist der Reiz: Daten rund um die Uhr, ganz von allein.
The Things Network: das offene Funknetz
Damit so ein Sensor seine Werte verschicken kann, braucht er einen Weg ins Internet. Unsere Bastelbojen nutzen dafür eine Mobilfunk-SIM. Das funktioniert, kostet aber pro Gerät Gebühren und Strom. Es gibt einen eleganteren Weg: LoRaWAN, eine Funktechnik speziell für kleine Datenmengen über große Entfernungen.
Das The Things Network (TTN) ist ein weltweites, von einer Community betriebenes LoRaWAN-Netz, offen und für unsere Zwecke kostenlos nutzbar. Funkstationen (sogenannte Gateways) stehen auf Dächern, Kirchtürmen oder bei Privatleuten und reichen die Sensordaten ins Internet weiter. An vielen Orten ist bereits Abdeckung vorhanden; wo nicht, lässt sich ein einzelnes Gateway günstig selbst aufstellen und deckt dann gleich die ganze Umgebung mit ab, auch für andere.
Warum LoRaWAN für Vereine wie gemacht ist
- Riesige Reichweite. Ein einziges Gateway kann Sensoren in mehreren Kilometern Umkreis erreichen, quer über Felder, Weiher und Auenlandschaft, ganz ohne WLAN am See.
- Jahrelange Batterielaufzeit. Die Funktechnik ist extrem sparsam. Ein Sensor hält mit einer Batterie typischerweise mehrere Jahre durch, ohne Solarpanel, ohne Nachladen.
- Offen und kostenlos. Das The Things Network gehört keiner Firma, sondern einer Community. Keine monatlichen Gebühren, keine Vertragsbindung.
- Kein Mobilfunkvertrag. Keine SIM-Karte, keine Roaming-Sorgen, der Sensor funkt einfach ins nächste Gateway.
- Wartungsarm. Einmal aufgestellt, läuft das Gerät weitgehend von selbst. Ideal für abgelegene Gewässer, die man nicht täglich besucht.
Kein Basteln mehr: fertige Sensoren von der Stange
Das eigentlich Coole: Man muss heute nichts mehr selbst bauen. Es gibt fertige, robuste LoRaWAN-Sensoren für überschaubares Geld. Ein bewährtes Beispiel ist der Dragino LHT65: ein kompakter Funksensor mit einer kleinen externen Temperaturfühler-Sonde, die man einfach ins Wasser hängt. Auspacken, einschalten, ins The Things Network einbuchen, fertig.
Im Petri-Heil!-Backend wird das Gerät einmal eingetragen, der Sensor einem Gewässer zugeordnet, und ab dann erscheinen die Wassertemperaturen automatisch im selben IoT-Dashboard wie bei unseren Bastelbojen: mit Tageskurven, Verläufen und farbiger Warnung, sobald Werte den guten Bereich verlassen. Bastelgerät oder Fertigsensor: für das Dashboard macht das keinen Unterschied.
Was misst so ein Fertigsensor?
Der LHT65 misst vor allem die Wassertemperatur über die externe Sonde, den wichtigsten Dauerwert für die Gewässerüberwachung. Für aufwendigere Größen wie pH oder Sauerstoff bleiben unsere Eigenbauten und die offene Schnittstelle im Spiel. Beide Welten ergänzen sich.
So einfach ist der Einstieg
- Sensor besorgen. Einen fertigen LoRaWAN-Temperatursensor kaufen (z. B. Dragino LHT65), preislich im Bereich eines guten Vereinsabends.
- Netz prüfen. Schauen, ob am Gewässer bereits TTN-Abdeckung besteht. Falls nicht, genügt oft ein einzelnes, günstiges Gateway in der Nähe.
- Gerät anlegen. Den Sensor einmalig im Petri-Heil!-Backend registrieren und einem Gewässer zuordnen.
- Fertig. Ab jetzt erscheinen die Messwerte automatisch im IoT-Dashboard, ohne weiteres Zutun.
Lust, das mit eurem Verein auszuprobieren?
Wir helfen beim Einstieg, von der Geräteauswahl bis zur Einrichtung im Backend. Wenn ihr ein Gewässer habt, das ihr im Blick behalten möchtet, meldet euch einfach beim Vorstand. Gemeinsam bringen wir euren ersten Funksensor ans Wasser.
Die Schwelle, ein Gewässer rund um die Uhr im Blick zu haben, war noch nie so niedrig. Wer früher einen Datenlogger für mehrere hundert Euro und eine Profi-Sonde brauchte, kommt heute mit einem Fertigsensor und einem offenen Funknetz aus. Probiert es aus, der Fisch wird’s euch danken.